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Die Zeitalter

 
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Posted: Mon Dec 18, 2017 3:46 pm    Post subject: Ads

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anadi
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PostPosted: Sat Apr 13, 2013 12:37 pm    Post subject: Die Zeitalter Reply with quote

Mahabharata - Buch 3
Kapitel 149 – Hanuman erklärt die Zeitalter
Nach diesen Worten verbeugte sich der starke Bhima freudig und voller Zuneigung vor seinem Bruder Hanuman und sprach mit sanfter Stimme:
Niemand ist glücklicher als ich es bin, da ich meinen älteren Bruder geschaut habe. Mir wurde eine große Gunst erwiesen, und ich freue mich sehr über dein Erscheinen. Oh bitte, erfülle einen Wunsch von mir. Ich möchte diese unvergleichliche Gestalt von dir schauen, mit der du damals über den Ozean sprangest. Dies wird mich befriedigen, und ich werde deinen Worten vertrauen.

Lächelnd sprach da Hanuman:
Diese Gestalt von damals kannst weder du noch irgend jemand anders heute noch schauen. Zu jener Zeit waren die Erscheinungen der Dinge anders als heute. Im Krita Zeitalter hatten sie eine besondere Form, im Treta eine andere und im Dwapara wieder eine andere. Und im jetzigen Zeitalter nimmt alles ab, und auch ich habe diese Form von damals nicht mehr.

Der Boden, die Flüsse, die Pflanzen und Felsen, die Siddhas, Götter und himmlischen Weisen sind stets im Einklang mit der Zeit und in Harmonie mit den Erscheinungen des jeweiligen Zeitalters. So begehre nicht, meine Gestalt von damals zu schauen. Auch ich stimme mit der Tendenz der Zeitalter überein. Denn wahrlich, die Zeit ist alles bestimmend.

Bhima sprach:
Oh erzähle mir von der Dauer der verschiedenen Zeitalter, ihren Sitten und Gebräuchen, von ihren Tugenden, Freuden und Verdiensten (Dharma, Kama, Artha), sowohl von den Handlungen, Energien, dem Leben und dem Tod darin.

Da antwortete Hanuman:
Nun, mein Kind, die Zeit, in der die eine und ewige Religion bestand, wird Krita Zeitalter genannt. In diesem Besten der Zeitalter besaß jeder religiöse Vollkommenheit, und es gab keine Notwendigkeit für religiöse Zeremonien. Die Tugend kannte keine Verminderung, und die Menschen keinen Verfall. Daher wird die Zeit damals Krita (vollkommen) genannt. Doch mit der Zeit wurde diese Periode als unbefriedigend angesehen.

Es gab damals keine Götter, Dämonen, Gandharvas, Yakshas, Rakshasas oder Nagas. Es gab kein Kaufen oder Verkaufen.
Die Sama, Rig und Yayus Veden existierten nicht.
Es gab keine schwere Handarbeit, denn die Notwendigkeiten des Lebens kamen zu einem, wenn man daran dachte.
Der einzige Verdienst bestand darin, der Welt zu entsagen.

Es gab keine Krankheiten und kein Nachlassen der Sinne.
Weder existierten Böswilligkeit, noch Hochmut, Heuchelei, Zwietracht, Groll, Hinterhältigkeit, Furcht, Elend, Feindschaft oder Habgier.
Daher war die höchste Zuflucht der Brahmanen, das Höchste Brahma, noch allen zugänglich.
Narayana erschien vollkommen weiß und war die Seele aller Wesen.

Im Krita Zeitalter waren die Unterschiede zwischen Brahmanen, Kshatriyas, Vaisyas und Shudras noch ganz natürlich, und alle blieben bei ihren entsprechenden Pflichten. Brahma war ihre einzige Zuflucht. Alle Bräuche und Gewohnheiten waren Brahma gewidmet. Das Ziel allen Wissens war einzig Brahma und alle Handlungen dienten nur Ihm. So gewannen alle Kasten Verdienst. Das Ziel all ihrer Meditation war die Eine Seele.

Es gab nur ein Mantra (OM), und nur ein höchstes Gesetz. Und obwohl die Menschen unterschiedlich waren, folgten sie alle dem einen Veda und hatten eine Religion. Gemäß ihrem Alter folgten sie den vier Lebensarten (Kindheit, Studium, Hausstand, Einsiedlertum) ohne besondere Absicht und gewannen sich alle Befreiung. Die Religion des Krita Zeitalters bestand darin, sich selbst mit Brahma in Einklang zu bringen. Und so war der Verdienst der vier Kasten auch vollkommen und jenseits der drei Qualitäten (Sattwa, Rajas und Tamas).

Nun höre von mir über das Treta Zeitalter. In dieser Periode wurden Opferzeremonien eingeführt, und der Verdienst verminderte sich um ein Viertel. Narayana nahm eine rote Farbe an. Die Menschen übten sich in Wahrhaftigkeit und führten hingebungsvoll religiöse Riten durch. So kam auch die Einhaltung von Gelübden in die Welt.

Im Treta Zeitalter begannen die Menschen, sich Mittel und Wege auszudenken, um an ihre Ziele zu gelangen. Und so wurden Gedanken und Handlungen absichtlich. Doch niemals ließen sie von der Tugend ab. Sie widmeten sich der Askese und der Wohltätigkeit. Die vier Kasten führten ihre entsprechenden Pflichten und verschiedenen Riten aus.

Im Dwapara Zeitalter vermindert sich die Tugend noch einmal um ein Viertel. Narayana erscheint nun gelb, und Veda wird in vier Teile gespalten. Manche Menschen erhalten die vier Veden, manche drei oder nur einen, und manche kennen nicht einmal den Rig Veda. Auch die Shastren wurden nun geteilt, und die (religiösen) Handlungen vervielfachen sich.

Die Menschen widmen sich immer noch Askese und Gaben, doch nun sind sie vielfach von Leidenschaften beeinflußt. Da niemand mehr in der Lage ist, den vollkommenen Veda zu erfahren, wird er in viele Teile geteilt. Der Intellekt hat sich vermindert, und nur wenige sind noch in Wahrheit gegründet. Da die Menschen von der Wahrhaftigkeit abfallen, verbreiten sich Krankheit und Wollust, und aus denen folgen Plagen. Weil sie unter diesen leiden, üben die Menschen Buße. Manche opfern, weil sie sich die guten Dinge des Lebens wünschen, und andere, um den Himmel zu gewinnen. Während des Dwapara entarten die Menschen zusehends, weil ihre Frömmigkeit nachläßt.

Nun, oh Sohn der Kunti, im Kali Zeitalter bleibt nur noch ein Viertel der Tugend übrig Dies ist das eiserne Zeitalter, und Narayana ist (blau)dunkel. Veden, Tugend, Opfer und Gelübde verarmen. Die Itis regieren (sechs Dinge, die ungünstig für Getreide sind: Regen, Dürre, Ratten, Heuschrecken, Vögel und feindliche Nachbarkönige im Übermaß), neben Krankheiten und Mattigkeit,

Zorn und anderen Mißbildungen, Naturkatastrophen, Qual und Angst vor Knappheit. So wie die Zeitalter vergehen, so vergeht auch die Tugend. Und wenn die Tugend vergeht, entarten die Kreaturen. Ihre Erscheinung verändert sich. Die Opferriten kehren sich im Laufe der Zeitalter ins Gegenteil um.

Auch diejenigen, die über mehrere Zeitalter leben, gehen mit den Veränderungen konform. Und was deine Neugier anbelangt, mich zu sehen, so frage ich dich: Warum sollte ein weiser Mensch etwas Vergängliches begehren? Nun, oh du mit den langen Armen, habe ich dir über die Zeitalter erzählt, weil du mich gefragt hast. Möge dir Gutes geschehen. Kehre nun um.
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anadi
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PostPosted: Fri Jun 07, 2013 2:07 pm    Post subject: Reply with quote

Mahabharata - Buch 3

Markandeya Samasya Parva – Begegnung mit Markandeya
Kapitel 188 – Über die Ursachen der Dinge
Demütig sprach da der tugendhafte König Yudhishthira zum ruhmreichen Markandeya:
Oh großer Muni, du hast viele tausend Zeitalter vorüberziehen sehen. In dieser Welt gibt es keinen, der so alt ist wie du. Oh Bester von denen, die Kenntnis vom Höchsten Geist erlangt haben, niemand kann sich an Jahren mit dir messen, außer dem großgeistigen Brahma an seinem hohen Ort. Du hast Brahma schon zur Zeit der großen Auflösung des Universums verehrt, oh Brahmane, als diese Welt ohne Himmel und ohne Götter und Danavas war. Nachdem die verheerende Katastrophe vorüber war, und der Große Vater erwachte, da hast du allein Brahma geschaut, wie er die vier Arten der Wesen schuf, nachdem der Himmel mit Luft gefüllt und die Wasser wieder an ihrem rechten Ort waren. Du, oh großer Brahmane, du hast in seiner Anwesenheit den großen Herrn und Vater aller Kreaturen geehrt, indem deine Seele in Meditation versunken, und von Ihm vollkommen aufgesogen war. Viele Male hast du mit eigenen Augen die ursprünglichen Handlungen der Schöpfung beobachtet, und in strengste Askese vertieft, hast du die Himmlischen selbst übertroffen. Von dir wird gesagt, daß du Narayana in der nächsten Welt nahe bist. Schon in längst vergangenen Tagen hast du viele Male den Höchsten Schöpfer des Universums mit dem Auge der spirituellen Einsicht durch Entsagung geschaut, nachdem du dein reines und lotusgleiches Herz geöffnet hattest – diesem einzigen Ort, an dem der vielgestaltige Vishnu mit dem universalen Wissen zu erkennen ist. Deswegen, oh du wissender Rishi, und durch die Gunst der Götter haben weder der alles vernichtende Tod noch die Altersschwachheit, welche den Körper verfallen läßt, Macht über dich. Wenn weder Sonne, Mond, Feuer, Erde, Luft oder Himmel bestehen können, und die ganze Welt zerstört im Ozean versinkt, wenn die Götter, Asuras und großen Nagas vernichtet sind, und Brahma mit dem großen Geist, dieser Herr aller Wesen, seinen Lotussitz einnimmt und schläft, dann bist du der Einzige, der bleibt und ihn ehrt. Oh bester Brahmane, du hast mit eigenen Augen alles Geschehene gesehen. Du allein warst Zeuge mit all deinen Sinnen, so daß nichts in der Welt dir unbekannt ist. Und so möchte ich deine Belehrung über die Ursache der Dinge hören.

Markandeya antwortete:
Ja, ich werde dir alles erklären. Doch mögen wir uns erst vor dem selbstexistenten, ursprünglichen, männlichen Wesen verbeugen, welches ewigwährend, unvergänglich und nicht erkennbar ist, und welches gleichzeitig sowohl mit als auch ohne Eigenschaften existiert. Oh Tiger unter den Männern, dieser Janarddana in seinen gelben Kleidern ist die große Triebkraft und der Schöpfer von allem, die Seele und der Gestalter von allen Dingen und der Herr von allem. Er wird auch der Erhabene genannt, der Unfaßbare, der Wunderbare und der Makellose. Er ist ohne Anfang und Ende, erhält die Welt, ist unveränderlich und unvergänglich. Er ist der Schöpfer, doch selbst unerschaffen. Er ist die Ursache aller Kräfte. Sein Wissen ist größer als das von allen Göttern zusammengenommen.

Oh bester König und überragender Mann, nach der Auflösung des Universums lebt die ganze wunderbare Schöpfung wieder auf. Man sagt, daß das Krita Yuga viertausend Jahre lang besteht. Seine Morgen- und Abenddämmerung umfaßt jeweils vierhundert Jahre. Das Treta Yuga dauert dreitausend Jahre, und dessen Beginn und Ende sind dreihundert Jahre lang. Das nächste Yuga wird Dwapara genannt, dauert zweitausend Jahre mit einem Anfang und Ende von zweihundert Jahren. Und dann kommt das tausendjährige Kali Yuga mit jeweils einhundert Jahren Beginn und Ende. Wisse, oh König, Morgen- und Abenddämmerung eines Yugas sind immer gleich lang. Und wenn das Kali Yuga vorüber ist, kommt wieder das Krita Yuga. Ein solcher Zyklus der Yugas geht also über zwölftausend Jahre.

Und tausend solche Zyklen machen einen Brahma Tag aus. Wenn das Universum (am Abend des Brahmatages) wieder zurückgezogen wird und versteckt in seiner Heimat, nämlich im Schöpfer, ruht, oh Tiger unter den Männern, dann wird dieses Verschwinden aller Dinge von den Gelehrten die universale Vernichtung genannt.

Am Ende des Yuga Zyklus
Gegen Ende dieser tausend Jahre (des Kali Yugas), wenn sich ein Zyklus seiner Vervollkommnung naht, verlieren sich die Menschen immer mehr in ihren Lügen. Dann werden Opfer, Gaben und Gelübde nicht mehr tiefsinnig, sondern nur noch dem Namen nach durchgeführt. Brahmanen handeln wie Shudras, die Shudras widmen sich dem Anhäufen von Reichtum, und die Kshatriyas praktizieren religiöse Riten. Im Kali Yuga halten sich die Brahmanen vom Opfer und dem Studium der Veden fern, tragen weder Stab noch Hirschfell und essen alles. Auch widmen sie sich nicht mehr den Gebeten und der Meditation, während die Shudras beten und meditieren. Der Gang der Welt scheint umgekehrt, und dies sind die Vorboten der universellen Auflösung. Unzählige gottlose Könige herrschen dann über die Erde, welche sich der Sünde und falschen Rede hingegeben haben und damit ihre Untertanen nach unheilsamen Prinzipien regieren. Dies, oh Tiger unter den Männern, ist der Status der Welt in der Abenddämmerung des Kali Yugas. Nicht ein einziger Brahmane hält sich noch an die Pflichten seiner Kaste. Kshatriyas und Vaisyas folgen Praktiken, die den angemessenen Handlungen ihrer Ordnung völlig entgegengesetzt sind. Die Menschen werden immer kurzlebiger, und ihre Kraft, Macht und Energie nimmt ständig ab. Ihre Körper werden schwächlich, und ihre Rede kennt kaum noch Wahrhaftigkeit. In großen Gebieten schwinden die Völker dahin, und die wilden Raubtiere vermehren sich in großer Zahl auf Erden. Wer in dieser Zeit noch Brahma anruft, tut dies vergebens. Die Shudras rufen nach den Brahmanen „Hey“, während die Brahmanen die Shudras mit „verehrter Herr“ ansprechen. Alles Tierische nimmt zu. Düfte und Parfüme sind dem Geruchssinn nicht mehr angenehm, und der Geschmack leidet. Mütter bringen viele Nachkommen zur Welt, die kleinwüchsig sind und keine guten Manieren kennen. Ihre Münder benutzen sie als Fortpflanzungsorgan, Hungersnöte verwüsten die Städte und Dörfer, und überall sind Frauen von üblem Ruf. Ganz allgemein sind in dieser Zeit die Frauen den Männern feindlich gesinnt und kennen keine Zurückhaltung. Die Kühe geben wenig Milch. Die Bäume sind mit Scharen von Krähen bedeckt und schaffen es nicht mehr, viele Blüten und Früchte wachsen zu lassen. Die Zweifachgeborenen befleckt die Sünde des Brahmanenmordes, und sie nehmen Geschenke von verlogenen Monarchen an. Sie gehen mit den äußeren Zeichen der Religion auf wohltätige Märsche, doch sie tragen im Innern Habsucht und Unwissenheit, und so plagen sie die Menschen auf Erden. Die Menschen, die ein häusliches Leben führen, erdrückt die Last der Steuern, und so werden sie zu Betrügern. Und Brahmanen tragen fälschlicherweise das Kleid der Asketen, ohne sich Haare und Nägel zu schneiden, während sie mit Handel reich werden. Viele unter den Zweifachgeborenen werden aus Habgier zu religiösen Bettlern der Brahmacharya Ordnung.

Ja, die Menschen verhalten sich ganz entgegengesetzt zu ihren ursprünglichen Lebensweisen. Sie sind süchtig nach berauschenden Getränken. Sie sind in der Lage, das Bett ihres Lehrers zu entweihen. Ihre Begehren sind nur noch von dieser Welt, und alles dreht sich um Fleisch und Blut. Oh Tiger unter den Männern, die Einsiedeleien der Asketen füllen sich mit sündigen und dreisten Lumpen, die ein Leben in Unselbständigkeit loben. Der ruhmreiche Indra schickt keinen Regen mehr zur rechten Jahreszeit. Die auf die Erde ausgestreuten Samen keimen kaum noch. Die Menschen in ihren unheiligen Taten und Gedanken finden Vergnügen an Bosheit und Neid, und die Erde füllt sich mit Sünde und Unmoral. Wer in dieser Zeit tugendhaft ist, lebt nicht lang. Wahrlich, der Erde mangelt es an allen Arten von Tugend. Die Händler und Verkäufer sind voller Arglist und veräußern riesige Mengen aller Arten von Artikeln mit falschen Maßen und Gewichten. Die Tugendhaften gedeihen nicht, während die Untugendhaften großen Einfluß haben. Die Tugend verliert ihre Kraft, und die Sünde wird übermächtig. Wer sich der Tugend verschreibt, wird arm, im Gegensatz zu denen, die der Untugend folgen. Zu solchen Zeiten verhalten sich die Menschen sogar sündig in aller Öffentlichkeit. Und sie suchen immer mit sündhaften Mitteln ihre Ziele zu erreichen. Schon beim kleinsten, angehäuften Vermögen werden sie hochmütig ob ihrer Schätze. Sie rauben den Reichtum, der ihnen anvertraut wurde, und erklären noch laut und schamlos: „Mir wurde nichts übergeben.“ Raubtiere und andere wilde Tiere und Vögel lassen sich in aller Ruhe auf öffentlichen Plätzen in Städten und Dörfern nieder und auch in heiligen Gebäuden. Mädchen von sieben oder acht Jahren empfangen, während Knaben von zehn oder zwölf Jahren schon Kinder zeugen. Schon mit sechzehn Jahren überkommt die Menschen Altersschwäche und Verfall, und ihr Leben dauert nicht mehr lang. So benehmen sich schon die Jungen wie die Alten, und an den Alten beobachtet man die Zeichen der Jungen. Die Frauen überkommen unschickliches Verhalten und üble Manieren. Sie betrügen sogar die besten Ehemänner und vergessen sich mit Dienern, Sklaven und sogar Tieren. Frauen, welche die Gemahlinnen von Helden sind, suchen noch zu Lebzeiten ihrer Gatten die Gesellschaft von anderen Männern und vergessen sich dabei.

Die universale Vernichtung
Außerdem, oh König, gibt es eine Dürrekatastrophe von vielen Jahren, wenn sich die tausend Zyklen aus vier Yugas dem Ende entgegenneigen. Dann sterben tausende von den schwachen Menschen und Tieren an Hunger. Sieben lodernde Sonnen erscheinen am Firmament und saugen alles Wasser der Flüsse und Meere auf. Alles, was die Natur von Holz und Gras hat, egal, ob zuvor trocken oder feucht, trocknet völlig aus und wird zu Asche verbrannt. Die Winde fachen dann das Feuer namens Samvartaka auf der bereits verbrannten Erde an. Und dieses Feuer dringt bis in die niederen Bereiche vor und läßt sogar die Herzen der Götter, Danavas und Yakshas vor Angst erbeben. Diese Flammen verschlingen alles, was auf Erden oder in den unteren Bereichen ist, in nur einem Moment und die Vernichtung erstreckt sich über einen Bereich von hunderten und tausenden Yojanas. Sogleich lodert dieser Herr aller Dinge strahlend weiter und verbrennt auch das ganze Universum mit allen Göttern, Asuras, Gandharvas, Yakshas, Schlangen und Rakshasas. Als nächstes sammeln sich schwere Wolken, so massig wie riesige Elefantenherden, die sich mit Kränzen aus Blitzen schmücken und grausigschön anzusehen sind. Manche Wolken haben die Farbe des blauen Lotus oder der Wasserlilie, manche sind dunkelviolett und andere wie das Innere des Lotus. Manche sind so gelb wie Kurkuma, zinnoberrot, so hell wie die Blütenblätter des Lotus, und andere wiederum sind wie das Ei der Krähe gefärbt. Es gibt Wolken in Gestalt von stattlichen Städten, Elefantenherden, Eidechsen, Krokodilen und Haien. Diese sich sammelnden Wolken sehen drohend und fruchtbar aus, und sie donnern laut und senden ständig Blitze aus. In Windeseile haben die regenschweren Massen auf Geheiß des Höchsten Herrn das ganze Firmament eingenommen und fluten die Erde mitsamt ihren Bergen, Wäldern und Zechen. Alles wird im Wasser ertränkt, auch das gräßliche und alles vernichtende Feuer Samvartaka. Zwölf Jahre schütten die schweren Wolken unablässig ihre Wassermassen auf die Erde, bis der Ozean die Kontinente überschwemmt, die Berge bröckelnd untergehen und die Erde vollständig im Wasser versinkt. Dann, urplötzlich, erhebt sich ein Sturm und treibt die Wolken davon. Dies ist der Moment, wenn der selbstgeschaffene Herr, die erste Ursache aller Dinge, die schrecklichen Winde in sich aufsaugt, sein Ruhelager im Lotus einnimmt und schlafen geht, oh Bharata.

Markandeya und der Junge
Und wenn das ganze Universum eine unvorstellbare Ausdehnung von Wasser geworden ist, alle Kreaturen vernichtet sind, die Götter und Asuras aufgehört haben zu existieren, die Yakshas und Rakshas nicht mehr sind, nirgends mehr Menschen, die Bäume und Tiere verschwunden und selbst das Firmament nicht mehr ist, dann bin ich es, oh Herr der Erde, der ganz allein und betrübt umherwandert. Beim Anblick der großen Wasserwüste leidet mein Herz, denn nirgends sind irgendwelche Wesen zu sehen. Ohne Pause wandere ich durch die Flut, bin müde, doch nirgends bietet sich ein Ruheplatz. Nach langer Wanderung erblicke ich dann inmitten des Wassers einen großen, weitausladenden Banian Baum, oh Herr der Erde. Auf einem seiner weit nach außen gestreckten Äste sitzt, oh Bharata, ein Junge auf einem Bett mit himmlischen Decken. Sein Gesicht ist so schön wie der Lotus und so klar wie der Mond, und seine großen Augen gleichen den ebenmäßigen Blütenblättern des vollerblühten Lotus. Bei seinem Anblick füllt sich mein Herz mit Staunen. Und ich frage mich: „Wie kann es sein, daß dieser Junge hier ganz allein sitzt, wo doch die ganze Welt vernichtet ist?“ Und obwohl ich das vollkommene Wissen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft habe, oh König, kann ich mich noch so anstrengen, und auch asketische Meditation verrät mir nichts über den Jungen. Er verfügt über den Glanz der hellblauen Atasi Blume und trägt das zierende Zeichen Srivatsa (der Endlosknoten, ein Zeichen Vishnus: die Haarlocke auf der Brust). So erscheint mir der Junge wie die Heimstatt von Lakshmi selbst.

Und plötzlich spricht der hell Strahlende mit lieblichen Worten zu mir:
Oh Herr, ich weiß, daß du müde bist und dich nach Ruhe sehnst. Oh Markandeya aus dem Geschlecht des Bhrigu, ruh dich hier aus, solange du möchtest. Bester Muni, tritt in meinen Körper ein und ruhe. Dies ist die Heimstatt, die ich dir bestimmt habe. Denn ich bin mit dir zufrieden.

Nach diesen Worten des Knaben erhob sich ein Gefühl der völligen Mißachtung in mir aufgrund meines langen Lebens und meiner Männlichkeit. Doch der Junge öffnete seinen Mund, und auf Wunsch des Schicksals verlor ich alle Macht zur Bewegung und trat in seinen Mund ein. Im Bauch des Jungen sah ich die ganze Erde mit all ihren wimmelnden Städten und Königreichen. Durch seinen Bauch wandernd sah ich die Ganga, Satadru, Sita, Yamuna und Kausiki, Charmanwati, Vetravati, Chandrabhaga, Sarasvati, Sindhu, Vipasa, Godavari, Vaswokasara, Nalini, Narmada, Tamra und auch die Venna mit ihrem entzückenden Strom und den heiligen Wassern, sowie die Suvenna, Krishnaveni, Irama, Mahanadi, Vitasta, den großen Fluß Kavery, auch die Sona, Vishalya und die Kimpuna auch. Ich sah all diese und viele andere irdischen Flüsse, oh Tiger unter den Männern. Ich sah auch den Ozean mit seinen Alligatoren und Haien, diese Mine aller Juwelen und vorzügliche Heimstatt der Gewässer. Ich sah das Firmament mit all seinen Sternen, Sonne und Mond, alles strahlend und schön. Die Erde trug ihre Wälder, die Brahmanen führten Opfer durch, die Kshatriyas taten allen anderen Kasten Gutes, die Vaisyas widmeten sich der Landwirtschaft und die Shudras dienten gehorsam den zweifachgeborenen Kasten. So sah ich im Bauch dieses Hochbeseelten den Himavat und das Gebirge Hemakuta, auch Nishadha und die silberreichen Berge des Sweta. Dort standen Gandhamadan und Mandara sowie die riesigen Berge des Nila. Da sah ich den goldenen Meru, Mahendra, die vorzügliche Gebirgskette Vindhya, auch Malaya und Paripatra. Diese und viele andere juwelenbedeckte Berge der Erde sah ich in seinem Bauch. Und überall waren Löwen, Tiger, Eber und all die anderen Tiere. Und auf meinen Wanderungen in seinem Bauch sah ich all die Götter mit Shakra, die Sadhyas, Rudras, Adityas, Guhyakas, Pitris, Schlangen und Nagas, die mit Federn Geschmückten, und die Vasus, Aswins, Gandharvas, Apsaras, Yakshas, Rishis, die Stämme der Daityas und Danavas, all die Söhne von Singhika nebst all den anderen Feinden der Götter, ja alle beweglichen und unbeweglichen Kreaturen der Erde sah ich im Bauch dieses Hochbeseelten.

So lebte ich viele Jahre von Früchten und wanderte in seinem Körper durch das ganze Universum. Niemals erblickte ich die Grenzen seines Körpers, obwohl ich unablässig wanderte, was mich mit Furcht erfüllte. So bat ich in Gedanken und Taten um den Schutz der segenspendenden und überragenden Gottheit, wobei ich zutiefst ihre Überlegenheit anerkannte. Plötzlich wirbelte mich eine Windböe aus seinem Mund wieder heraus, und ich sah wieder dasselbe Wesen von unermeßlicher Energie in Gestalt eines Knaben mit dem Srivatsa Zeichen auf dem Ast des Banian Baumes sitzen.

Der strahlende Junge, welcher das ganze Universum verschluckt hatte und gelbe Kleider trug, war zufrieden mit mir und sprach lächelnd:
Oh Markandeya, bester Muni, du hast lange Zeit in meinem Körper gelebt und bist nun erschöpft. Und doch werde ich zu dir sprechen.

Als er diese Worte sprach, erlangte ich im selben Moment eine neue Sicht. Ich erkannte mich als Besitzer wahren Wissens und befreit von den Täuschungen der Welt. Und als Zeuge der unerschöpflichen Macht dieses Wesens von unermeßlicher Energie, ehrte ich seine wohlgeformten Füße mit den hellen, kupferroten Sohlen und den geschmückten Zehen von sanfter, rosa Tönung und stellte sie vorsichtig auf meinen Kopf. Ich faltete meine Hände in Demut und verbeugte mich ehrfürchtig vor dem Göttlichen Wesen, welcher die Seele von Allem ist und dessen Augen den Blütenblättern des Lotus gleichen.

Dann sprach ich zu ihm:
Ich wünsche, dich zu erkennen, oh Göttliches Wesen, und auch diese wunderbare und hohe Illusion von dir. Oh Ruhmreicher, als ich durch deinen Mund in deinen Körper eintrat, sah ich das ganze Universum in deinem Bauch. Alles habe ich geschaut: die Götter, Danavas, Rakshasas, Yakshas, Gandharvas und Nagas, ja das ganze Universum mit allem Belebtem und Unbelebtem ist in deinem Körper. Und obwohl ich schnellen Schrittes durch deinen Körper streifte, hat mich durch deine Gnade meine Erinnerung nicht verlassen, oh Gottheit. Und auf deinen Wunsch hin, nicht auf meinen, trat ich wieder aus deinem Körper aus, großer Herr. Oh du mit den Lotusaugen, ich wünsche dich zu erkennen, denn du bist ohne jeglichen Makel. Warum sitzt du hier in Gestalt eines Knaben, nachdem du das ganze Universum verschlungen hast? Oh bitte erklär es mir. Warum, oh Sündenloser, ist das Universum in deinem Körper? Wie lange wirst du hier bleiben, oh Feindebezwinger? Mich treibt ein Wissensdurst, der eines Brahmanen nicht unwürdig ist, und so möchte ich all dies von dir vernehmen, oh Herr aller Götter. Erklär es mir mit allen Einzelheiten und genau so, wie es geschieht, oh Herr, denn alles, was ich sah, ist wunderbar und unvorstellbar.

Da besänftigte mich die Gottheit mit dem strahlenden Glanz und der großen Schönheit, und sprach als bester Redner zu mir folgende Worte.



Tika:

Der Vollkommenheit des Zeitalters entspricht seine Dauer. Dabei währt das erste Zeitalter viermal, das zweite dreimal und das dritte zweimal so lange wie das letzte, unvollkommenste Zeitalter, sodass die Dauer eines Maha-Yuga zehnmal (4 + 3 + 2 + 1) so lange wie die des Kali Yuga ist. Im Manusmriti, dem „Gesetzbuch des Manu“ wird die Dauer der vier Weltalter als 4000, 3000, 2000 und 1000 Jahre angegeben, denen jeweils eine Übergangszeit von 400, 300, 200 bzw. 100 Jahren vorangeht bzw. folgt, wodurch sich eine Dauer des Kali-Yuga von 1000 + 100 + 100 = 1200 Jahren ergibt. Die Dauer des Maha-Yuga ist demnach 12.000 Jahre.[1]

Man setzt allerdings meist entsprechend Bhagavatapurana ein Jahr dieser Rechnung als ein Jahr in der Zeitrechnung der Götter an, dem 360 Jahre in der Zeitrechnung der Menschen entsprechen.[2] Aus dieser Umrechnung resultiert die meist angegebene Dauer der mit Yugas, nämlich

Kali Yuga: 1200 × 360 = 432.000 Jahre
Dvāpara Yuga: 2400 × 360 = 864.000 Jahre
Tretā Yuga: 3600 × 360 = 1.296.000 Jahre
Satya Yuga: 4800 × 360 = 1.728.000 Jahre
Ein Maha-Yuga dauert so insgesamt 4.320.000 Jahre der Menschen.

1000 Maha-Yugas sind ein Brahma-Tag oder ein Kalpa von 4.320 Millionen Jahren. Auf einen Brahma-Tag folgt eine ebenso lange Brahma-Nacht. Das Leben eines Brahmas dauert 100 Brahma-Jahre zu jeweils 360 Tagen. Anschließend kommt es zu einem Zustand vollkommener Eingeschmolzenheit für weitere 100 Brahma-Jahre, nach deren Ende aus Vishnus Nabel einer neuer Brahma und zugleich eine neue Welt entsteht.

Ein kompletter Weltenzyklus dauert demnach (1000 + 200) × 10 × 1000 × 2 × 360 × 100 = 864 Milliarden Götterjahre = 311.040 Milliarden Menschenjahre. Nach dem Ende dieser ungefähr 3 × 1014 Jahre beginnt dann das Ganze von Neuem.
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anadi
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PostPosted: Mon Jun 10, 2013 3:44 pm    Post subject: Reply with quote

Mahabharata - Buch 6

Bhishma Parva - Das Buch des Bhishma
10 - Die Beschreibung des Bharata Varsha

Dhritarashtra sprach:
Erzähle mir ausführlich, oh Sanjaya, von der Lebensspanne, der Kraft und den Qualitäten in den verschiedenen Zeitaltern bezüglich der Einwohner des Bharata Varsha, sowie des Haimavatvarsha und Harivarsha.

Und Sanjaya sprach:
Oh Stier der Bharatas, im Bharata Varsha wirken die vier Yugas (Zeitalter) Krita, Treta, Dwapara und Kali besonders stark. Zuerst erscheint das (goldene) Krita Yuga. Oh Herr, nach Ablauf des Krita kommt das (silberne) Treta, dann das (bronzene) Dwapara und nach allen anderen das (eiserne) Kali. Viertausend Jahre, oh Bester der Kurus, ist die Lebensspanne des Krita Zeitalter. Dreitausend Jahre ist die des Treta, und zweitausend ist die des Dwapara.

[Der Vollkommenheit des Zeitalters entspricht seiner Dauer. Dabei währt das erste Zeitalter viermal, das zweite dreimal und das dritte zweimal so lange wie das letzte, unvollkommenste Zeitalter, sodass die Dauer eines Maha-Yuga zehnmal (4 + 3 + 2 + 1) so lange wie die des Kali Yuga ist. Im Manusmriti, dem „Gesetzbuch des Manu“ wird die Dauer der vier Weltalter als 4000, 3000, 2000 und 1000 Jahre angegeben, denen jeweils eine Übergangszeit von 400, 300, 200 bzw. 100 Jahren vorangeht bzw. folgt, wodurch sich eine Dauer des Kali-Yuga von 1000 + 100 (vor) + 100 (nach) = 1200 Jahren ergibt. Die Dauer eines Maha-Yuga ist demnach 4000 +800 +3000 +600 + 2000 +400 +100 +200 =12.000 Jahre.]

Im Kali, oh Stier der Bharatas, gibt es kein sicheres Limit für die Lebenszeit. So sterben manche Menschen bereits im Mutterleib und andere kurz nach der Geburt.

Die im Krita Zeitalter geborenen Menschen, oh König, zeugen Hunderte und Tausende Kinder voller Kraft und Macht, die große Weisheit entfalten und mit Wohlstand und Schönheit begabt sind. In diesem Zeitalter werden auch viele Munis geboren, die mit dem Reichtum der Askese begabt, zu großer Anstrengung fähig, hochbeseelt, tugendhaft und wahrhaftig sind. Auch die Kshatriyas dieses Zeitalters haben angenehme Eigenschaften, sind kräftig, voller Energie, im Gebrauch des Bogens vollendet, im Kampf höchst erfahren und äußerst tapfer.

Oh König, noch im Treta Zeitalter waren alle Kshatriya Könige uneingeschränkte Herrscher von Ozean zu Ozean. Im Treta wurden tapfere Kshatriyas niemals Untertan von irgend jemandem, hatten ein langes Leben, Heldentum und große Begabung in der Kunst des Bogenschießens. Auch als das Dwapara Zeitalter anbrach, oh König, waren alle vier Kasten noch zu großen Leistungen fähig. Doch mit dieser großen Kraft beschenkt, begannen sie, sich mit wachsender Begierde gegenseitig zu erobern.

Oh König, so werden die im Kali Zeitalter geborenen Menschen nur noch mit wenig Energie begabt sein, höchst zornig, voller Begierden und Lügen. Neid, Stolz, Wut, Betrug, Böswilligkeit und Habgier, oh Bharata, werden die vorherrschenden Attribute der Wesen im Kali Yuga sein. Die Qualitäten des Dwapara Zeitalters sind dann fast verschwunden. Doch bezüglich dieser Qualitäten ist der Haimavat-varsha noch weit vorzüglicher als der Bharata Varsha, und der Hari-varsha ist wiederum vorzüglicher als der Haimavatvarsha.
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anadi
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PostPosted: Mon Dec 29, 2014 6:54 am    Post subject: Reply with quote

Mahabharata - Buch 3
Kapitel 189 – Die Gottheit spricht zu Markandeya


Die Gottheit sprach:
Oh Brahmane, nicht einmal die Götter können mich vollends erkennen. Doch ich bin mit dir zufrieden, und so werde ich dir erzählen, wie ich das Universum erschuf. Oh Rishi, du bist deinen Ahnen ergeben und hast bei mir Zuflucht gesucht. Du hast mich mit deinen Augen geschaut, denn dein asketischer Verdienst ist immens.

In uralten Zeiten gab ich dem Wasser den Namen Nara. Und da das Wasser mein Heim, mein Ayana ist, so werde ich Narayana (der im Wasser Heimische) genannt. Oh bester Zweifachgeborener, ich bin Narayana, die Ursache aller Dinge, der Ewige und Unveränderliche. Ich bin der Schöpfer aller Dinge und ebenso ihr Vernichter.

Ich bin Vishnu, Brahma und Shakra, der Herr aller Götter. Ich bin König Vaishravana (Kuvera), Yama, der Herr aller Verstorbenen, bin Shiva, Soma und Kasyapa, der Herr aller erschaffenen Dinge. Ich werde Dhatri genannt, und auch Vidhatri. Ich bin das verkörperte Opfer.

Das Feuer ist mein Mund, meine Füße sind die Erde. Sonne und Mond sind meine Augen. Der Himmel ist meine Stirn, das Firmament und die Himmelsrichtungen meine Ohren, und die Gewässer entstammen meinem Schweiß. Der Raum ist mein Körper. Die Luft ist mein Geist.

Ich habe zahllose Opfer ausgeführt mit reichlichen Gaben. Ich bin immer anwesend in den Opfern von Göttern und denen, welchen die Veden bewußt sind. Sie alle ehren mich in ihren Zeremonien, denn die über Menschen regierenden Kshatriyas möchten sich in ihren Opfern den Himmel gewinnen, und auch die Vaisyas verlangt es nach glückseligen Bereichen.

Ich bin es, der die Gestalt von Sesha annimmt und die von den vier Meeren umgebene Erde stützt mitsamt den Bergen Meru und Mandara. Ich bin es, der vor langer, langer Zeit die Gestalt eines Ebers annahm und die ins Wasser gesunkene Erde wieder hervorhob.

Ich bin es, bester Brahmane, welcher als Feuer aus dem Rachen des Pferdeköpfigen austritt, alle Gewässer austrinkt und sie wieder neu erschafft. Aufgrund meiner großen Energie entspringen dann nacheinander aus meinem Mund, meinen Armen, Beinen und Füßen die Brahmanen, Kshatriyas, Vaisyas und Shudras.

Aus mir kommen Rig, Sama, Yajur und Atharvan Veda. Und in mich tritt wieder alles ein, wenn die Zeit reif ist. Mit tiefer Meditation ehren mich die der Askese hingegebenen Brahmanen, die den Frieden als höchste Eigenschaft schätzen, die ihre Seelen unter vollendeter Kontrolle haben, die von Wollust, Zorn und Neid befreit sind, die an irdischen Dingen nicht anhaften, die ihre Sünden vollständig abgewaschen haben, die Sanftheit und Tugend besitzen, keinen Stolz und das vollkommene Wissen über die Seele haben.

Ich bin die als Samvartaka bekannten Flammen. Ich bin Wind, Feuer und Sonne mit gleichem Namen. Bester Brahmane, was im Himmel als Sterne sichtbar ist, das sind die Poren meiner Haut. Die auf Juwelen gegründeten Ozeane und die vier Himmelsrichtungen sind meine Kleider, mein Bett und mein Haus. Alles wurde von mir verteilt, damit es den Göttern diene.

Und wisse auch, bester Mann, daß Lust, Zorn, Euphorie, Angst und der alles überschattende Intellekt verschiedene Formen meiner selbst sind. Was auch immer sich die Menschen durch Wahrhaftigkeit, freigebige Güte, asketische Enthaltsamkeit, Frieden, Harmlosigkeit zu allen Kreaturen und andere heilsame Taten gewinnen, das gewinnen sie durch meine Gestaltung.

Von meinen Gesetzen geleitet wandern die Menschen in meinem Körper, und ihre Sinne sind von mir überwältigt. Sie sind von mir gelenkt und nicht gemäß ihres Wollens unterwegs. So erhalten wiedergeborene Brahmanen, welche ganz und gar die Veden studiert, Gelassenheit im Geist erlangt und ihren Zorn gezügelt haben, hohen Lohn durch ihre vielen Opfer.

Dieser Lohn ist jedoch unerreichbar für Menschen, die hinterhältig handeln und von Habgier überwältigt, gemein und verrufen sind mit unreinen und ungesegneten Seelen. Deshalb, oh Brahmane, sollst du erkennen, daß dieser Lohn, den beherrschte Menschen nur durch Askese erlangen, und der Unwissenden und Närrischen versagt bleibt, hohen Verdienst schafft.

In den Zeiten, wo Tugend und Moral ab- und Sünde und Unmoral zunehmen, verkörpere ich mich selbst in neuen Formen. Wenn schreckliche und böse Asuras und Rakshasa auf Erden erscheinen, welche selbst die Götter nicht besiegen können, dann nehme ich meine Geburt in tugendhaften Familien und eine menschliche Gestalt an, um den Frieden zu sichern und das Böse zu vernichten.

Von meiner eigenen Maya bewegt, schaffe ich Götter und Menschen, Gandharvas, Rakshasa und alle anderen Kreaturen, um sie auch wieder zu vernichten. So nehme ich auch menschliche Gestalt an, um Rechtschaffenheit und Moral zu bewahren. Immer, wenn Taten notwendig sind, nehme ich Gestaltung an, die unfaßbar ist.

Im Krita bin ich weiß, im Treta gelb, im Dwapara rot und im Kali Yuga dunkel. Im Zeitalter von Kali nimmt die Unsittlichkeit drei Viertel ein. Und am Ende dieses Zeitalters nehme ich die Gestalt des Todes an und vernichte ganz allein die drei Welten mit allen belebten und unbelebten Existenzen darin.

Mit drei Schritten durchschreite ich das ganze Universum. Ich bin die Seele des Universums, die Quelle aller Freude und der Demütiger allen Hochmuts. Ich bin allgegenwärtig, unendlich und der Herr aller Sinne.

Meine Macht ist groß. Oh Brahmane, ich allein setze das Rad der Zeit in Schwung. Ich bin formlos, der Vernichter aller Wesen und die Ursache aller Anstrengung der Wesen. Oh bester Muni, meine Seele durchdringt alle Kreaturen, und doch erkennt mich niemand. Mich ehren die Frommen und Hingebungsvollen in allen Welten.

Und wisse, oh du Sündenloser, daß alle Schmerzen, die du in meinem Bauch littest, deinem Glück und guten Schicksal dienten. Alle belebten und unbelebten Dinge, die du in der Welt gesehen hast, wurden von meiner Seele geweiht, welche die Quelle aller Existenz ist.

Der Große Vater aller Wesen ist mein halber Körper. Ich werde Narayana genannt. Ich trage die Muschel, den Diskus und die Keule.

Am Ende der tausend Zyklen von vier Yugas schlafe ich, die Universale Seele, und überwältige alle Kreaturen mit Bewußtlosigkeit. Und hier bleibe ich, obwohl ich sehr alt bin, in Gestalt eines kleinen Jungen, bis Brahma wieder erwacht.

Oh bester Brahmane, der du von den Rishis geehrt wirst, zufrieden mit dir habe ich, der ich auch Brahma bin, dir immer wieder Segen gewährt. Als du das weite Wasser sahst und erkanntest, daß alle Kreaturen vernichtet sind, erfüllte dich Melancholie. Darum habe ich dir das Universum im meinem Bauch gezeigt, was dich mit Staunen und zunehmender Verwirrung erfüllte.

So entließ ich dich schnell wieder aus meinem Mund und habe dir nun alles über diese Seele erzählt, welche weder von den Göttern noch von den Asuras verstanden werden kann. Solange der große Asket Brahma nicht erwacht, kannst du glücklich und vertrauensvoll hier leben. Erwacht der Große Vater, werde ich allein alle körperhaften Wesen, das Firmament, die Erde, das Licht, die Atmosphäre, die Gewässer und alle belebten und unbelebten Kreaturen wieder erschaffen.

Markandeya fuhr fort:
Nach diesen Worten verschwand die wunderbare Gottheit meinen Blicken. Und ich wurde Zeuge, wie die vielfältige und bewunderungswürdige Schöpfung wieder ins Leben kam. Ja, oh tugendhafter König, dies alles habe ich gesehen am Ende des Yuga.

Die Gottheit mit den Lotusaugen, die ich damals erblickte, ist dieser Tiger unter den Menschen, Krishna, welcher dein Verwandter wurde. Er gewährte mir den Segen, daß mich die Erinnerung nicht verläßt, daß meine Lebensspanne so lang währt und ich selbst den Tod kontrollieren kann, oh Sohn der Kunti.

Es ist der uralte und hohe Herr Hari mit der unfaßbaren Seele, der seine Geburt als Krishna im Geschlecht der Vrishnis nahm, und der mit starken Armen in dieser Welt vergnüglich zu spielen scheint. Er ist Dhatri und Vidhatri, der Vernichter, der Ewige, der das Srivatsa Zeichen auf der Brust trägt, der Herr über alle Wesen, der Höchste der Höchsten, den man auch Govinda nennt.

Als ich diesen Anführer der Vrishni sah, kam mir die Erinnerung zurück, wie ich damals die siegreiche und in gelbe Kleider gehüllte Gottheit schaute. Dieser Madhava ist Mutter und Vater aller Kreaturen. Oh ihr Bullen des Kuru Geschlechts, sucht Zuflucht bei eurem Beschützer.

Da beugten sich alle Söhne des Pandu nebst Draupadi vor dem ehrenwerten Krishna, welcher sie daraufhin mit den liebevollsten Worten bedachte.
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